Pure Passion –
HF MIXING GROUP.

Zertifiziert effizienter

Ein Zertifizierungsersuchen von Michelin hat dazu beige­tragen, Prozesse nachhaltiger und transparenter zu machen.

Überraschend kam das Audit-Ersuchen des franzö­sischen Reifenherstellers Michelin nicht. Seit geraumer Zeit widmen sich Hersteller vieler Branchen intensiv dem Thema Zertifizierungen. Dabei geht es im weitesten Sinne um Effizienz, Nachhaltigkeit und die Dokumentation aller erdenklichen Vorgänge im Unternehmen – Fragen der Qualität inbegriffen. Vor diesem komplexen Hintergrund wurde der promovierte Verfahrenstechniker und HF-Qualitätsmanager Dr. Dieter Berkemeier mit der Projektverantwortung betraut. Neben einigen allgemeinen Fragen galt es, die vier großen Themenkomplexe Umwelt, Arbeitspraktiken, faire Geschäftsbeziehungen und nachhaltige Beschaffung wahrheitsgemäß anhand eines ausgeklügelten Fragebogens zu beantworten. „Als Unternehmen waren wir auf diese Art Fragen im Prinzip nicht vorbereitet“, gibt Berkemeier unumwunden zu.

Dafür hatte Michelin alles bestens vorbereitet und den Dienstleister EcoVadis mit der Bewertung und Betreuung der operativen Aufgabe beauftragt. Der Fragenkatalog lag in der Cloud, ein Account für HF war schon eingerichtet. Nach einem ersten flüchtigen Blick war klar, dass HF viele Anforderungen schon seit einigen Jahren wie gefordert umsetzt. Warum? Weil sich diese Abläufe bewährt haben. Weil sie effizient sind oder der Qualität dienen. Nur dokumentiert wurde das meist nicht. Und genau das gehörte zu den Kernelementen des Audits. Alles Suchen nach eventuell vorhandenen Aufzeichnungen oder Unterlagen half da nicht weiter.

Die Situation war so einfach wie banal: Was in der Vergangenheit nicht festgehalten wurde, kann auch nicht gefunden werden. Selbst die detaillierten Kenntnisse langjähriger Mitarbeiter förderten keine verborgenen Informationen zutage.

Unternehmerische Gesamtverantwortung übernehmen

Akribische Vorbereitungen und gründliches Vorgehen waren das Gebot der Stunde. Was das bedeutet, veranschaulicht ein Blick auf eine ganze Reihe prall gefüllter Ordner in Berkemeiers Büro. Darin befinden sich Hintergrundinformationen, Normen und Regularien sowie Erläuterungen zu hunderten von Abkürzungen, die im Rahmen des Zertifizierungsersuchens von Bedeutung waren. In detaillierter und penibler Kleinarbeit haben sich die Mitarbeiter erforderliche Kenntnisse und das Wissen von Grund auf erarbeitet. Positiver Effekt: Audits wie dieses tragen maßgeblich dazu bei, dass Firmen wie HF eine unternehmerische Gesamtverantwortung übernehmen können. Corporate Social Responsibility heißt das in Fachkreisen. Unter dem neudeutschen Begriff subsumiert man das unternehmerische Handeln am Markt, ökologische Aspekte, die Beziehung zu Mitarbeitern (Arbeitsplatz) und den Austausch mit den relevanten Anspruchs- bzw. Interessengruppen (Stakeholdern). Übertragen auf den Fragenkatalog, den EcoVadis bereit­gestellt hat, lauten die Themenschwerpunkte Umwelt, Arbeitspraktiken, faire Geschäftspraktiken und nachhaltige Beschaffung. Vornehmlich Konzerne der Automobilindustrie und deren Zulieferbetriebe durchleuchten Dienstleister und Unternehmen, die an der Wertschöpfungskette beteiligt sind, mit diesen oder ähnlichen Fragenkatalogen, um gleichbleibende Standards in den vier Themenbereichen sicherzustellen. Die geforderte inhalt­liche Tiefe geht weit über die Sicherstellung von Qualität hinaus. So musste die HF MIXING GROUP zum Beispiel beantworten, ob sie eine aktive Politik bezüglich der Arbeitspraktiken und Menschenrechte betreibt und Maßnahmen zur Verhinderung von Diskriminierungen, Kinder- und Zwangsarbeit ergriffen hat. „Haben wir. Natürlich!“, konstatiert Berkemeier mit Nachdruck. Dokumentiert sind diese Maßnahmen unter anderem im Nachhaltigkeitsbericht 2014 und in einem Verhaltens­kodex, der die Bereiche Ethik und Integrität regelt.

Viele weitere Dinge wurden in der Zwischenzeit ebenfalls festgehalten – und werden seither kontinuierlich dokumentiert. Das betrifft zum Beispiel die Bereiche Gesundheitsmanagement und soziales Engagement von HF. Die Fülle der erforderlichen Informationen überraschte selbst altgediente HF-Mitarbeiter. Und so war schon nach kurzer Zeit klar, dass es eines schlagkräftigen Teams bedurfte, um die komplexe Aufgabe zu erfüllen. Mit Larissa Reineck, Sabrina Jahn, Nadina Massuard, Stefan Groß, Dr. Harald Keuter und Dieter Berkemeier übernahmen sechs Mitarbeiter die Aufgabe. Gemeinsam führten sie das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss. „Mit unserem Ergebnis liegen wir im EcoVadis-Vergleich mit anderen Suppliern in allen Kategorien in der Spitzengruppe – im Bereich Umwelt sogar vorne“, stellt der Projektverantwortliche Berkemeier fest.

Energiemanagement als zentraler Wettbewerbsbaustein

Die Kraftanstrengung hat sich gelohnt. „Unter dem Strich sind wir heute ein effektiveres Unternehmen geworden“, zieht Berkemeier ein positives Fazit. Der Wissensdurst von EcoVadis hat die Mannschaft mehrfach maximal herausgefordert. Zum Beispiel in der Kategorie Umwelt: Detaillierte Dokumentationen über die CO2-Emissionen am Standort Freudenberg gab es – aber nicht wie gefordert. Gleiches galt für den Verbrauch fossiler Energien. Die Verbräuche von Heizöl, Strom und Gas waren selbstverständlich bekannt. Doch die Tücke lauerte wie so oft in den Details. Niemand wusste exakt, wo die Verbräuche genau anfallen. Das hat sich geändert. Initiiert durch das Michelin-Audit kann HF das heute sagen. Die Zertifizierung nach ISO 50001 doku­mentiert die Veränderungen im Unternehmen. Ein Energiemanagementsystem erfasst und bewertet die energetischen Prozesse. Damit lassen sich Einspar­potenziale aufspüren, die dann in konkrete Maßnahmen münden, um den Energieverbrauch zu verringern. Die Umsetzung der neuen Vorgaben wird heute so konsequent gehandhabt, dass künftig sogar die Verbräuche einzelner Heizkörper erfasst werden. In Kombination mit einer nachhaltigen Stärkung des Energiebewusstseins der Mitarbeiter ist das Energiemanagement zu einem zentralen Baustein geworden, um die Wettbewerbs­fähigkeit weiter zu verbessern. Als flankierende Maßnahme hat HF die Nachhaltigkeit des Unternehmens mit der Einführung des Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 zur Priorität gemacht. Es verpflichtet zum aktiven Umweltschutz, zur Schonung aktiver Ressourcen und zu kontinuier­lichen Verbesserungsprozessen nach dem Prinzip „Planen – Ausführen – Kontrollieren – Optimieren“ (Plan – Do – Check – Act).

Rückblickend hätten die Beteiligten nicht erwartet, dass sich die Audit-Auflagen in derart vielen Unternehmensbereichen auswirken würden. Ein eindrückliches Beispiel ist der Brandschutz: Seit dem 1. November 2014 ist Thomas Wickler Brandschutzbeauftragter am Standort Freudenberg. Ein Glücksfall. Als Hauptbrandmeister und Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr der Freuden­berger Nachbargemeinde Friesenhagen konnte HF diese sicherheitsrelevante Position intern mit einem ausgewiesenen Experten besetzen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund zeitigen die detaillierten Fragen von EcoVadis einen weiteren positiven Effekt: Die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Unternehmen – und vor allem mit den eigenen Mitarbeitern – fördert schlummernde Ressourcen zutage. „Dass wir mit Thomas Wickler einen Hauptbrandmeister und Wehrleiter in unseren Reihen haben, wussten nur wenige Mitarbeiter bei HF. Jetzt nutzen wir die Expertise von Thomas Wickler und machen HF ein Stück effizienter – und sicherer“, fasst Berkemeier zusammen. Mit Konsequenz hat der Hauptbrandmeister in Diensten von HF den Brandschutz im Unternehmen seither vorangetrieben. Neben brandschutztechnischen Sicherheitsunterweisungen für alle Mitarbeiter hat Wickler sämtliche Feuerlöscher überprüft und alle Fluchtwege kontrolliert. In Vorbereitung sind die Ausbildung von Brandschutzhelfern und die Installation einer standortweiten Brandmeldeanlage. Beides soll noch im laufenden Jahr realisiert werden.

Geregelt sind auch vermeintliche Selbstverständlichkeiten. Der Verhaltenskodex bezieht eine klare Position hinsichtlich fairer Geschäftspraktiken. Eindeutig abgelehnt werden Korruption, Betrug, Geldwäsche und andere wettbewerbswidrige Praktiken. Unter Schutz steht die Privat­sphäre Einzelner ebenso wie die Daten von Verbrauchern und Kunden. Interpretationsspielräume? Keine.

Wertschöpfungskette mit einheitlichen Standards

Die gesammelten Erfahrungen rund um das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) und insbesondere die weitreichenden Auswirkungen der Michelin-Zertifizierung sind nicht ohne Wirkung geblieben. Und so hat sich die HF MIXING GROUP bereits im Geschäftsjahr 2015 entschlossen, seine Lieferanten zu eigenen CSR-Aktivitäten zu bewegen. Eine informelle Anfrage an die 50 umsatzstärksten HF-Supplier sollte klären, welche Aktivitäten in den jeweiligen Unternehmen bereits umgesetzt und an welchen Punkten gesetzliche Regelungen übertroffen werden. Zurzeit werden die Antworten der Unternehmen ausgewertet. Für das laufende Jahr ist es beabsichtigt, entsprechende Informationen von weiteren 200 Lieferanten einzuholen. Ziel ist es, einheitliche Standards über die gesamte Wertschöpfungskette zu etablieren.

DKG
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Institut für Kunststoffverarbeitung
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